Allgemeinbildende Pflichtschulen

Im Schuljahr 2010/11 gab es in Kärnten 364 Standorte von allgemeinbildenden Pflichtschulen. Diese Gesamtzahl reduzierte sich bis zum Schuljahr 2016/17 auf 315 Standorte. Die Zahl der Schüler in diesen Pflichtschulen sank im gleichen Zeitraum von 37.228 auf 34.240 um 2.988 Schüler bzw. 8%.

Das von der Landesregierung 2015 beschlossene Entwicklungskonzept zur Standortoptimierung garantierte jeder Gemeinde einen Volksschulstandort. Gemeinden mit mehreren Schulstandorten sollten zukünftig mit einer vorgegebenen Klassenanzahl das Auslangen finden, die sich an der Gesamtschülerzahl bemaß.

Im Schuljahr 2016/17 gab es in Kärnten 233 Volksschulstandorte, die insgesamt 20.722 Schüler besuchten. Nur 49 dieser Schulstandorte erreichten die im Kärntner Schulgesetz festgelegte Mindestschülerzahl von 120 Schülern pro Volksschule. 41 Gemeinden verfügten über zwei oder mehr Volksschulstandorte. 13 dieser Gemeinden betrieben Schulstandorte mit weniger als 30 Schülern neben weiteren Volksschulstandorten. An einem Drittel der Volksschulstandorte in Kärnten bestand Abteilungsunterricht. Das Land Kärnten belegte im Bundesländervergleich bei den durchschnittlichen Schülerzahlen je Volksschule den drittletzten Rang.
 
Die Strukturkosten der Volksschulstandorte waren Bestandteil der Kriterien des Landes für die Bedarfszuweisungen an die Gemeinden. Gemeinden mit mehreren Schulstandorten unterhalb der gesetzlichen Mindestgröße von 120 Schülern wiesen oft überdurchschnittlich hohe Strukturkosten für ihre Volksschulstandorte auf und nahmen bei der Zuteilung der Bedarfszuweisungen durch das Land Kärnten finanzielle Nachteile in Kauf.

Im Schuljahr 2016/17 bestanden insgesamt 68 Standorte von Neuen Mittelschulen, die 12.711 Schülern besuchten. Im ländlichen Raum wiesen die Standorte der Neuen Mittelschulen weitgehend ein großes Einzugsgebiet auf. 86 Gemeinden hatten keinen eigenen Standort einer Neuen Mittelschule. In den drei Gemeinden Metnitz, Lesachtal und Bad Eisenkappel bestanden Bildungszentren, welche die Neue Mittelschule im Verband mit der Volksschule unter einer Direktion führten. Nur 26% der Neuen Mittelschulen erreichten im Schuljahr 2016/17 die Mindestschülerzahl von 240 Schülern.

Die Kosten der Besoldung der Landeslehrer an öffentlichen allgemeinbildenden Pflichtschulen ersetzte der Bund den Ländern auf Basis eines jährlichen Dienstpostenplans. Dieser Dienstpostenplan enthielt sämtliche auf Grundlage der Stellenplanrichtlinien errechneten Planstellen. Im Schuljahr 2016/17 finanzierte der Bund dem Land Kärnten auf Basis dieser Berechnungen 3.651,1 Planstellen. Das Land Kärnten genehmigte für das Schuljahr 2016/17 insgesamt 4.001,6 Planstellen, somit einen Planstellenüberhang von 350,5 bzw. 9,6%, den es auch zu finanzieren hatte. Die dafür prognostizierte Belastung für das Landesbudget betrug 13,1 Mio. EUR. Im Überprüfungszeitraum lagen im Land Kärnten die Kosten des Planstellenüberhangs zwischen 8,59 Mio. EUR und 16,54 Mio. EUR, während andere Bundesländer mit der Bundesfinanzierung weitgehend das Auslangen fanden.

Im Bereich der Sonderpädagogik überstieg der tatsächliche Anteil an Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf die festgelegte Maßzahl des Bundesministeriums für Bildung (Bildungsministerium) deutlich, wodurch die Bundesfinanzierung die erforderlichen Planstellen nur zum Teil abdeckte. Die Mehrkosten kleiner rein einsprachiger Klassen in zweisprachigen Schulen hatte das Land Kärnten ebenso zu tragen wie die über die Deckelung hinaus gehenden Kosten für die Sprachförderung und für die Senkung der Klassenschülerzahl auf den Richtwert 25.

Die Landesregierung genehmigte im Schuljahr 2016/17 eine Personalreserve von 7.454,8 Wochenstunden bzw. umgerechnet 344,6 Planstellen. Trotz der Vorgabe einer Bündelung der Personalreservestunden waren 3.547,8 Wochenstunden bzw. rd. 48% als stundenweise Personalreserve vorgesehen und auf fast 1.000 Lehrpersonen verteilt. 750 dieser Lehrpersonen war ein Ausmaß von maximal fünf Wochenstunden an Personalreserve zugeordnet. Diese Stunden kamen einer Arbeitszeitverkürzung gleich und erhöhten den Bedarf an Lehrpersonen. Gleichzeitig wurden nur rd. 27% der insgesamt im Rahmen der Supplierverpflichtung möglichen Vertretungsstunden ausgeschöpft. Umgerechnet 77,6 Vollzeitäquivalente an Supplierverpflichtung blieben gänzlich ungenutzt. Insbesondere in den Städten Klagenfurt und Villach lag die Ausnutzung der Supplierverpflichtung unter dem Landesdurchschnitt.


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