Landesrechnungshof empfiehlt Errichtung von Bildungszentren zu forcieren

veröffentlicht am 8. Juli 2021

Einleitung

Der Kärntner Landesrechnungshof hat überprüft, wie das Land mit Zusammenschlüssen von Bildungseinrichtungen umgeht. Er empfiehlt verstärkt Anreize zu schaffen, damit sich Schulen zu Bildungszentren zusammenschließen. Daraus würden sich Vorteile für Kinder, Lehrpersonen, Eltern und Schulerhalter ergeben.

Pressemitteilung

In Kärnten haben die meisten Pflichtschulen weniger als 100 Schülerinnen und Schüler. Kleine Schulen verfügen über ein geringeres Angebot, beispielsweise bei Turnsälen oder Ganztagsbetreuungen.

„Der Landesrechnungshof empfiehlt seit Jahren, Bildungszentren zu forcieren. Familien profitieren von besseren Angeboten und Synergieeffekten zwischen Schule, Betreuung und Freizeiteinrichtungen wie Sportanlagen und Musikschulen. Das würde sich auch positiv auf die Situation mit den Überhanglehrern in Kärnten auswirken sowie auf die Kosten für die Erhaltung der Schulstandorte“, sagt Landesrechnungshof-Direktor Bauer.

Laut einer Evaluationsstudie des Landes aus dem Jahr 2019 gab es in Kärnten in diesem Jahr 94 Bildungszentren. Der Begriff Bildungszentrum war jedoch nicht klar definiert. Neben Pflichtschulen wurden bei dieser Evaluation auch höhere Schulen, vorschulische Kinderbetreuungen und Musikschulen miteinbezogen.

Konzepte zu Schulstandorten

Im Mai 2015 beschloss die Landesregierung für den Pflichtschulbereich ein Entwicklungskonzept zur Standortoptimierung. Das Konzept umfasste 36 Projekte zum Ausbau von Schulen sowie von Bildungs- und Betreuungszentren. Anfang 2021 waren 28 davon umgesetzt. Zusätzlich zu den Projekten des Entwicklungskonzepts plante das Land weitere 22 Projekte umzusetzen, wovon vier bereits umgesetzt werden.

Als Weiterführung des Konzepts erstellte das Land für die Jahre 2018 bis 2023 einen Projektauftrag für ein strategisches Planungskonzept und Handlungsempfehlungen. Die Zielformulierungen des Projektauftrags sind sehr vage und das Land definierte keine messbaren Kriterien, um den Erfolg später kontrollieren zu können. Obwohl bereits drei Jahre vergangen waren, hatte das Land das strategische Planungskonzept sowie die Handlungsempfehlungen noch nicht fertiggestellt. Der Landesrechnungshof empfiehlt, das rasch nachzuholen und den Zeithorizont bis zum Jahr 2026 zu erweitern. Durch das Planungskonzept und die Handlungsempfehlungen sollte man die Standortstruktur der Kärntner Bildungslandschaft gezielt steuern können.

Förderung von Bildungszentren

Über den Kärntner Schulbaufonds unterstützt das Land die Gemeinden als Schulerhalter finanziell beim Bau und der Erhaltung von Schulgebäuden. Laut Förderrichtlinien des Fonds werden räumliche Zusammenführungen von Schulen vorrangig behandelt. Trotzdem wich die dafür vorgesehene Förderhöhe nicht von anderen schulbaulichen Vorhaben ab. Der Schulbaufonds genehmigte alle beantragten Schulbauprojekte und förderte sie mit 75 Prozent der förderbaren Kosten. Der Landesrechnungshof empfiehlt Projekte zur räumlichen Zusammenlegung auch tatsächlich zu bevorzugen.

„Projekte für räumliche Zusammenlegungen sollten bevorzugt genehmigt und gefördert werden. Damit schafft man Anreize für die Schulerhalter, sich diesen Projekten zu widmen“, sagt Direktor Bauer.

Es gab keine maximale Förderhöhe, sondern der Schulbaufonds passte die Förderung im Nachhinein an die Höhe von 75 Prozent der förderbaren Kosten an. Der Landesrechnungshof empfiehlt eine maximale Förderhöhe bei jedem Projekt festzulegen.

Auswirkungen von Bildungszentren

Der Landesrechnungshof hat drei Bildungszentren als Beispiele analysiert. Die Räumlichkeiten der Einrichtungen sind durch die Zusammenlegungen besser ausgelastet. Die Klassenzimmer und Turnsäle sind moderner und es gibt neben einer Bibliothek auch Kreativ- und Musikräume. Die Kinder profitieren auch durch ein besseres Angebot an Lehr- und Unterrichtsmitteln.

„Vor allem ländliche Gemeinden profitieren von den Zusammenschlüssen mehrere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, weil sie dadurch hochwertigere Bildung auch im ländlichen Raum ermöglichen können“, sagt Direktor Bauer.

Der Landesrechnungshof empfiehlt dem Land vermehrt Anreize für Bildungszentren zu schaffen, deren positive Auswirkungen sowohl den Kindern als auch den Lehrern, Eltern und Schulerhaltern zugutekommen.