Landesrechnungshof überprüfte vorschulische Kinderbildung und -betreuung in ausgewählten Gemeinden

veröffentlicht am 7. April 2022

Einleitung

Der Kärntner Landesrechnungshof überprüfte die Organisation sowie die Finanzierung der vorschulischen Kinderbildung und -betreuung in den sieben Gemeinden Dellach, Diex, Feistritz im Rosental, Ferndorf, Gnesau, Malta und Gmünd. Der Landesrechnungshof empfiehlt den Gemeinden, stärker auf interkommunale Zusammenarbeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu setzen.

Pressemitteilung

Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bringt Vorteile

Die Gemeinden Malta und Gmünd betreiben im Zuge einer gemeindeübergreifenden Kooperation seit 2012 ein gemeinsames Kinderbetreuungszentrum, das aus einem Kindergarten und einer Kindertagesstätte mit mehreren Gruppen besteht.

„Die interkommunale Zusammenarbeit der Gemeinden Malta und Gmünd im Bereich der vorschulischen Kinderbetreuung sehen wir als positives Beispiel“, sagt Landesrechnungshof-Direktor Günter Bauer.

Die Möglichkeit gemeindeübergreifender Kooperationen bei der vorschulischen Kinderbetreuung sollte auch in anderen Gemeinden überprüft werden. Interkommunale Kinderbetreuungseinrichtungen mit mehreren Gruppen und einer höheren Auslastung bieten Eltern und Kindern längere Öffnungszeiten, weniger Schließtage sowie vielfältigere Zusatzangebote. Eltern haben damit die Chance, Familie und Beruf besser zu vereinen.

Anzahl der VIF-konformen Einrichtungen gestiegen

Die Öffnungszeiten und die Anzahl der Schließtage der einzelnen Kinderbetreuungseinrichtungen stellen eine wichtige Kennzahl für die bedarfsorientierte Verfügbarkeit der angebotenen Kinderbetreuung dar. Der Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF) gibt mit den VIF-Kriterien einen klaren Maßstab für Öffnungszeiten vor. Dieser sieht Öffnungszeiten von 47 Wochen im Jahr und 45 Stunden je Woche vor, wobei die Einrichtung Montag bis Freitag und an vier Tagen zumindest 9,5 Stunden geöffnet sein muss. Darüber hinaus muss ein Mittagessen angeboten werden.

Im Kindergartenjahr 2015/16 entsprachen lediglich drei der neun institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen in den betrachteten Gemeinden den VIF-Kriterien. Bis zum Kindergartenjahr 2020/21 verdoppelte sich die Anzahl der VIF-konformen Kinderbetreuungseinrichtungen.

„Viele Eltern stehen vor der Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Deswegen sollten die Kinderbetreuungseinrichtungen auf die VIF-Kriterien achten“, sagt Direktor Bauer.

Verwaltung vereinfachen

Die Gemeinden Dellach, Diex, Feistritz im Rosental, Ferndorf und Malta/Gmünd schreiben den Erziehungsberechtigten die Höhe der Elternbeiträge monatlich vor. In der Gemeinde Gnesau erfolgt die Vorschreibung der Elternbeiträge durch den privaten Träger der Kinderbetreuungseinrichtung. Die Gemeinden Malta/Gmünd, Diex und Ferndorf versehen die Vorschreibung bzw. Erlagscheine bereits mit einem QR-Code. Damit erleichtern sie die elektronische Überweisung für die Erziehungsberechtigten und die automatische Zahlungszuordnung für die Gemeinden.

Auf den Websites aller Gemeinden fanden sich im Überprüfungszeitraum 2015 bis 2020 Angaben zur Kinderbetreuung. Diese Angaben waren teilweise veraltet, unvollständig oder schwer auffindbar. Die Informationen zu den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen sollten aktuell und leicht auffindbar auf den Websites platziert sein.

Personaleinsatz

Personalausfälle können in den Kinderbetreuungseinrichtungen der Gemeinden zu Problemen bei der Deckung des Personalbedarfs führen, insbesondere bei kleinstrukturierten Einrichtungen. Durch gemeindeübergreifende Kooperationen, gegebenenfalls durch Gemeindeverbände, könnten die Einrichtungen bei Personalausfällen flexibel auf einen gemeinsamen Pool mit fachlich qualifiziertem Personal zurückgreifen.

Die ausgewählten Gemeinden legen Dienstpläne für die in ihrer Kinderbetreuungseinrichtung beschäftigten Bediensteten fest. Die Aufzeichnungen über die tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten der Bediensteten erfolgen auf unterschiedliche Weise, etwa mittels elektronischer Zeiterfassungssysteme, manuell geführter Listen oder gar nicht.

„Wir empfehlen jenen Gemeinden, in denen Bedienstete ihre Arbeitszeiten manuell erfassen oder die keine Aufzeichnungen über geleistete Arbeitszeiten führen, ein elektronisches Zeiterfassungssystem zu implementieren“, sagt Direktor Bauer.